Da wir zu einer Jahreszeit nach Wales gefahren sind, in der es sehr oft regnet, war es umso dringlicher, das Leck im Dach wieder dicht zu bekommen. Die Bezeichnung „Wasserfall“ war natürlich übertrieben für die paar Tropfen, die langsam, aber stetig von der Decke hereintropften, und wurde von uns nur wegen des passenden Titels zum vorherigen Blogeintrag gewählt. Wir öffneten unser Dachzelt und erreichten so, dass das Wasser nach hinten ablief und das Tropfen versiegte. Leider fing es daraufhin hinten über dem Bett an zu tropfen. Die undichten Stellen schienen sich also nicht nur auf eine zu beschränken.
Unsere nächste Fahrt führte uns deshalb auf dem Weg zur Gower-Halbinsel zum B&Q-Baumarkt in Swansea. Dort besorgten wir uns ein Dichtband und wasserfestes Tape zum Abdichten. Inzwischen hatte der Regen aufgehört und wir beschlossen, vor der Reparatur noch den Tag zu nutzen und einen Spaziergang in der nahegelegenen Langland Bay zu machen.
Endlich sahen wir, abgesehen von der nächtlichen Fährüberfahrt, endlich mal das Meer. Am Strand selbst waren Hunde noch bis Ende September verboten, auf dem danebenliegenden Küstenspazierweg zum Glück nicht. So gingen wir diesen entlang und kamen an niedlichen grünen Häuschen vorbei, die man mieten und von dort aus aufs Meer schauen konnte – vergleichbar mit Strandkörben an der Nordsee, nur größer, sowie mich kleiner Küche. Der toll angelegte Wanderweg stieg langsam an und eröffnete uns einen tollen Blick auf die hübsche Bucht. Die bewachsenen Klippen an denen der Weg sich entlangschlängelte boten nochmal eine beeindruckende Szenerie. Leider hielt unser Glück nicht lange an und kurze Zeit später flüchteten wir uns vor dem Regen in ein kleines Strandcafé.
Es wurde langsam Zeit für die Reparatur unseres Daches. Nicht weit entfernt fanden wir einen gemütlichen Stellplatz für die Nacht – direkt am Eingang eines Waldes. Es passte nur ein Camper in die Nische hinter den Blättern. Hier konnten wir ungestört an die Reparatur gehen. Während Marilyn das Essen zubereitete – es gab einen leckeren Grünkernauflauf (schaut gleich ins Rezept rein) –, kletterte Christoph aufs Dach.
Zum Glück kam er auch ohne Leiter hoch und erkannte dort schnell die Ursache. Die Nieten, mit denen der Dachträger sowie der Lüfter befestigt waren, schienen nicht mehr ganz dicht zu sein. Die Dichtmasse, das wir damals zur Abdichtung genutzt hatten, war inzwischen vermutlich durch die Hitze und die Vibrationen porös geworden und schien nun Wasser durchzulassen. Mit dem zuvor erworbenen Dichtband bearbeitete er alle Stellen und hoffte, dass das ausreichen würde. Der nächste Regen würde es zeigen. Immerhin hatte das Wetter uns für diese Aktion eine Pause gegönnt.
Natürlich ließ das kühle Nass nicht lange auf sich warten und tatsächlich – für den Moment schien zum Glück alles dicht zu sein.
Am nächsten Morgen entdeckten wir, dass wir nicht weit von der Three Cliffs Bay parkten, die wir ohnehin besuchen wollten. Zu Fuß konnte man diese durch den Wald in rund einer Stunde erreichen – allerdings nur bei Ebbe. Wir checkten mit dem Tidechecker den aktuellen Wasserstand und ermittelten somit die beste Zeit für den Durchgang von einer zur anderen Bucht. Um 14:50 Uhr sollte an diesem Tag der niedrigste Ebbestand erreicht sein. So zogen wir zeitnah nach dem Frühstück los.
Der Wald war ein richtiger Dschungel. Ein Schild am Eingang verriet, dass im Oxwich National Nature Reserve allein über 600 Arten von Blütenpflanzen vorkommen. Dazu kommen Dünen, Süßwasserseen, Wälder, Salzmarschen und Klippen – unglaublich viele verschiedene Lebensräume auf vergleichsweise kleinem Raum. Das erklärte auch die außergewöhnliche Flora entlang unseres Weges. Auffällig war vor allem das häufige Vorkommen des Hirschzungenfarns.
Kaum aus dem Wald heraus, stießen wir auf den Oxwich Bay Beach, der bereits gut besucht war. Dieser Strand war übrigens auch mal zum Strand des Jahres erkoren worden. Wir hätten niemals solch eine tolle Landschaft hinter diesem Wald erwartet. Begeistert gingen wir den Strand entlang, immer auf die Klippen zu, um die wir bei Ebbe herumgehen mussten, um die Three Cliffs Bay zu erreichen.
Leider waren wir etwas zu früh dort und so schlugen die Wellen noch gegen die Klippen und erlaubten noch kein Passieren. Marilyn wagte sich ein Stück über die bereits freigelegten Felsen vor und begutachtete die Lage. Weiter hinten schnitt das Wasser den Weg allerdings noch ab. Vernünftiger war es deshalb, den weiteren Rückgang des Meeres abzuwarten.
Ein Einheimischer sprach uns an und erklärte uns, dass der Durchgang in ca. 45 Minuten passierbar sein sollte, es aber auch einen Wanderweg über die Klippen gäbe. Dieser sei allerdings deutlich länger und zudem steil und sandig. Man habe rund zwei Stunden nach dem Passieren Zeit, bis die Flut zurückkehre und man nicht mehr zurückgehen könne.
Diese Info war wertvoll. So ähnlich hatten wir es uns vorab auch schon mit dem Tidechecker abgeleitet, dennoch gab uns diese Information ein gutes Gefühl. Mit den Gezeiten war schließlich nicht zu spaßen. Die Wartezeit war uns zu lang und so beschlossen wir, erst einmal den Klippenweg zur anderen Bucht zu nutzen. Auf dem Rückweg konnten wir schließlich immer noch den kürzeren Weg durch die Ebbe nehmen.
Der Klippenweg war wirklich steil und anstrengend durch den tiefen Sand unter den Füßen, entlohnte uns aber mit einer tollen Sicht auf den Oxwich Bay Beach sowie die Three Cliffs Bay. Der Weg erinnerte uns zudem sehr an den Fischerpfad in Portugal, den wir auf unserer Europareise gegangen waren (Link zum Blogeintrag). Ähnlich wie dort gab es auch hier kleine Buschtunnel, durch die man hindurchgehen musste.
Nach einiger Zeit standen wir am Eingang der Three Cliffs Bay. Auch hier war wieder einiges los – kein Wunder bei dem großartigen Wetter, das wir heute hatten. Es war unser erster Sonnentag ohne Regen in Wales.
Bei den drei Felsen, die der Bucht ihren Namen geben, konnte man bei niedrigem Wasserstand eine kleine Höhle passieren. Um zu den Felsen zu gelangen, mussten wir zunächst nur ein kleines Rinnsal, das die Flut am Strand zurückgelassen hatte, überqueren. Es war warm genug und so zogen wir einfach die Schuhe aus und liefen hindurch. Benji störte sich mittlerweile auch kaum noch an solchen kleinen Wasserhindernissen und ging mutig mit. Das war am Anfang unserer gemeinsamen Zeit noch nicht so gewesen. Wir erinnern uns gern an sein zögerliches Verhalten an Wasserquerungen damals im Peneda-Geneda Nationalpark in Portugal (Siehe Video im Blogeintrag).
Einige Kletterer waren bereits damit beschäftigt, die Felsen hochzuklettern. Natürlich mit kompletter Ausrüstung und Sicherung. Nach einem kurzen Fotostop ging es wieder auf der anderen Seite durch die Dünen hoch auf die Klippen.
Bevor wir durch die Ebbe zurücklaufen wollten, mussten wir uns unbedingt noch das Pennard Castle – eine Burgruine direkt über der Bucht – ansehen. Der Wanderweg führte an einem Golfplatz vorbei, auf dem ein paar Golfer zugange waren. Spannenderweise sah man hier, was die Hitze mit der Natur angestellt hatte: Die Golfflächen waren alle saftig grün – vermutlich, weil sie bei der Hitze durchgängig bewässert wurden – und alle umliegenden Rasenflächen waren deutlich gebrandmarkt.
An der Burgruine angekommen, konnte man noch einmal ziemlich malerische Bilder mit der Three Cliffs Bay im Hintergrund aufnehmen. Die ersten Befestigungen an dieser Stelle stammen vermutlich aus dem 12. Jahrhundert. Im späten 13. bzw. frühen 14. Jahrhundert wurde die Anlage dann in Stein ausgebaut, bevor sie einige Jahrhunderte später wieder aufgegeben wurde und zur Ruine verfiel. Wir ließen es uns nicht nehmen, eine kleine Essenspause auf einer Bank mit ebendiesem Blick zu machen.
Mittlerweile waren wir unsicher, ob wir es noch bei Ebbe auf dem kurzen Weg zurückschaffen würden. Es beunruhigte uns aber nicht, da wir jederzeit den längeren Weg über die Klippen zurückgehen konnten.
Während wir dort saßen, kamen einige Besucher mit ihren Hunden vorbei – alle liefen frei. Das fiel uns in Wales bislang vermehrt auf: Hundebesitzer hielten es oftmals nicht für nötig, ihre Hunde anzuleinen, wenn ihnen jemand mit Hund entgegenkam. Das hielten wir für höchst kritisch. Zudem hörten nicht alle Hunde auf ihre Besitzer und zum Teil stürmten sie auch einfach auf Benji zu, der das natürlich aufgrund der Leine, an der er hing, nicht so toll fand und entsprechend reagierte. Zum Glück passierte bislang nichts Tragisches und die Hunde nahmen seine Drohungen ernst.
Auf dem Rückweg fanden wir tatsächlich eine Abkürzung Richtung Strand. Dafür mussten wir dieses Mal den kleinen Fluss Pennard Pill überqueren, der durch die Three Cliffs Bay ins Meer fließt. Schuhe aus und einfach durch – darin hatten wir mittlerweile Übung und konnten dadurch einiges an Zeit sparen.
Nur so schafften wir es tatsächlich noch, den Durchgang zum Oxwich Bay Beach bei Ebbe zu passieren. Es faszinierte uns, was die Gezeiten alles vollbringen konnten. Im einen Moment war noch alles voller Wasser und etwas später dann vollständig freigelegt.
An dieser Stelle möchten wir uns ein wenig mit den Gezeiten beschäftigen.
Gezeiten entstehen hauptsächlich durch die Anziehungskraft des Mondes. Gemeinsam mit der Sonne sorgt sie dafür, dass sich Ebbe und Flut in einem regelmäßigen Rhythmus abwechseln. An den meisten Küsten gibt es zweimal täglich Hochwasser und zweimal täglich Niedrigwasser. Zwischen zwei Hochwassern liegen etwa 12 Stunden und 25 Minuten – deshalb verschieben sich die Gezeiten jeden Tag um ungefähr 50 Minuten.
Gerade an der Gower-Halbinsel sind die Auswirkungen besonders beeindruckend. Bei Ebbe zieht sich das Meer teilweise hunderte Meter zurück und legt Sandflächen, Felsen und sogar Wege zwischen den Buchten frei, die wenige Stunden später wieder komplett unter Wasser stehen. Genau deshalb konnten wir den kurzen Weg zwischen der Three Cliffs Bay und dem Oxwich Bay Beach überhaupt zu Fuß am Strand zurücklaufen.
Der Höhenunterschied zwischen Hoch- und Niedrigwasser – der sogenannte Tidenhub – ist an der Küste von Südwales ziemlich groß. Deshalb sollte man Wanderungen entlang der Küste immer mit einem Blick auf die Gezeiten planen. Ein Weg, der gerade noch trocken ist, kann kurze Zeit später bereits wieder vom Meer abgeschnitten sein.
Zusammen mit einem richtig gut erzogenen Hund gingen wir den restlichen Strand barfuß bis zum Waldeingang zurück. Der Kleine hörte richtig gut, da er am Strand wenig Ablenkung hatte. Vermutlich auch, weil er darum bettelte, zu den nahegelegenen Dünen springen zu dürfen, in denen er wieder jagen konnte. Zumindest mit der langen Leine gestatteten wir ihm das zeitweise.
Nach dieser tollen Wanderung, bei der wir am Ende wieder auf rund 12 Kilometer und einige Höhenmeter gekommen waren, waren wir ziemlich erschöpft – und Benji hundemüde. Die Route hatten wir eher zufällig entdeckt und können sie jedem Wanderfreund mit gutem Gewissen weiterempfehlen.
--> Komoot Track.
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