In- & Outdoor Wasserfälle

Veröffentlicht am 31. August 2026 um 19:56

Zuhause an unserem Kühlschrank hängt ein toller Spruch: „Ich freue mich immer, wenn es regnet, denn wenn ich mich nicht freue, regnet es trotzdem.“

Genau das ging uns an diesem Morgen durch den Kopf. Der hübsche Bergsee inklusive der umliegenden Berge war weiterhin in einem Nebel aus Sprühregen verschwunden. Die Theorie ist das eine, die Praxis etwas ganz anderes, und so waren wir an diesem Morgen etwas frustriert über das anhaltende Regenwetter.

Dazu kam das Leben und Kochen auf engem Raum. Gerade bei Regenwetter hat man schließlich überhaupt keine Ausweichmöglichkeit. Ohne Übung ist das Ganze doch ziemlich herausfordernd. Dauernd sucht man etwas, das dann in einer Kiste ganz hinten unter dem Bett liegt, das man gerade erst ausgefahren hat.

Durch den fehlenden Anhänger mussten nun auch andauernd die Campingstühle sowie der Tisch von hinten nach vorne geräumt werden, um das Bett aufklappen zu können. Jetzt hatten wir sogar noch den Radanhänger für Benji dabei, der während der Fahrt zusätzlich im Innenraum stand und ebenfalls immer nach vorne bzw. hinten verräumt werden musste.

Kurz gesagt: Wir waren davon bereits etwas genervt. Vor allem, nachdem man inzwischen das Leben in einem geräumigen Haus gewohnt war. Wie hatten wir das damals nur ein ganzes Jahr im kleinen Bulli ausgehalten?

Christoph möchte an dieser Stelle einmal kurz richtigstellen, dass hier vorrangig Marilyn der erwähnten Stimmungsschwankung erlag.

Genug der schlechten Stimmung – unserem Leitspruch folgend rafften wir uns auf und fuhren zum Waterfall Country, einer wasserfallreichen Region im Bannau-Brycheiniog-Nationalpark. Dort wollten wir eine Wanderung unternehmen, die uns an mehreren Wasserfällen vorbei und durch die beeindruckenden Schluchten des Gebiets führen sollte.

Zusammen mit einigen anderen Touristen starteten wir kurz darauf die Wanderung. Der Weg schlängelte sich immer am Fluss entlang den Berg hinauf. Und tatsächlich wurde unser Aktionismus mit Sonnenschein belohnt. Urplötzlich schimmerten Sonnenstrahlen auf dem Wasser und tauchten die kleinen Wasserströme in einen hellen Glanz. Jetzt kam auch der hübsche, moosige und mit Farn bewachsene Wald mit seinen toll angelegten Wegen und dem glasklaren, von großen Steinen durchsetztem Flussbett richtig zur Geltung.

Der erste große Wasserfall, Sgwd Gwladys (Lady Falls), ähnelte eher einem Rinnsal. Dafür ebbte danach der Menschenstrom etwas ab. Die nächsten Wasserfälle, Sgwd-y-Bedol sowie Sgwd Ddwli Isaf, gefielen uns schon besser und führten auch deutlich mehr Wasser. Weiter ging es vorbei an Sgwd Ddwli Uchaf, bevor wir nach rund fünf Kilometern das Ende unserer Route auf dem offiziellen Elidir Trail erreichten. Die Namen der Wasserfälle sind übrigens keine Tippfehler, sondern walisische Namen. 

Da alle anderen Touristen hier umdrehten und denselben Weg zurückgingen, blieben wir auf unserem weiteren Weg zunächst allein zurück. Diese kleine Runde reichte uns definitiv nicht – wir wollten unbedingt noch eine Komoot-Tour gehen, die zu einer weiteren Wasserfallrunde führte.

Die Route dorthin zu finden, gelang uns erst einmal nicht, da der Weg, den wir laut Komoot nehmen sollten, total zugewuchert war. Schließlich fanden wir einen anderen Weg an der Straße entlang und konnten nach kurzer Zeit über einen Public Footpath, der über privates Land führte, wieder auf den Wanderweg einsteigen. Nach kurzer Zeit war auch dieser schon wieder zugewachsen und wir kämpften uns durch den Farn, der inzwischen durch den wieder einsetzenden Regen nass war.

Wir landeten auf einer Schafwiese, auf der auch Tiere grasten, und kurz darauf hatten wir endlich den Anfang der zweiten Wasserfallrunde erreicht.

Die Mühe, diesen eher schwer zu findenden Weg zu nehmen, hatte sich gelohnt. Kaum raus aus dem Wald öffnete sich eine tolle Landschaft mit herrlichem Weitblick vor uns.

Allerdings hatten wir durch die häufige Wegsuche auch einiges an Zeit verloren. Inzwischen war es bereits 16 Uhr und laut unserer Komoot-Tour hatten wir erst ein Drittel der geplanten Tour zurückgelegt. Wir beeilten uns deshalb, die zweite Wasserfallrunde zu starten.

Die Landschaft war hier anders. Im Gegensatz zum Elidir Trail führte die Route nun durch mehr offenes Land und nicht nur durch den dicht bewachsenen Wald. Auch die Wasserfälle hier beeindruckten uns mehr, da sie höher und gewaltiger waren.

Die Touridichte nahm wieder zu und plötzlich fiel uns auf, dass wir inmitten einer größeren Gruppe Inder standen. Von einem Moment auf den anderen fühlten wir uns wie beim Kumbh Mela am Ganges – nur ohne heiliges Bad und mit etwas mehr Platz. Das blieb auch noch bis zum letzten Wasserfall so.

Bei einer kleinen Essenspause schwächelte nun auch noch der Akku von Marilyns Handy. Gut, dass wir eine Powerbank dabei hatten. Das Ergebnis war dennoch ernüchternd: Die Powerbank lud so langsam, sodass der Akkustand trotz Powerbank gerade so bei 12 % verharrte. Da nur dieses Handy die Komoot-Tour offline gespeichert hatte, waren wir darauf angewiesen. Das Internet war in dieser Region an einigen Stellen sehr schwach bis gar nicht vorhanden. Etwas beunruhigt beeilten wir uns nach der kleinen Pause, unsere abenteuerliche Wanderung fortzusetzen.

Am letzten Wasserfall sollten wir laut Komoot den Fluss über eine „Steinbrücke“ überqueren, um auf der anderen Seite schließlich wieder Richtung Pontneddfechan zurücklaufen zu können – dort stand schließlich unser Bulli.

Die „Steinbrücke“ entpuppte sich genau als das, was im Namen steckt: Steine im Wasser, über die man laufen konnte, um den Fluss zu überqueren.

Auf nasse Füße hatten wir eigentlich keine Lust, aber es führte kein Weg daran vorbei. Überraschenderweise gelang uns der Balanceakt und nur kurze Zeit später standen wir alle drei – na ja, fast alle – trockenen Fußes auf der anderen Seite. Christoph und Marilyn hatten es geschafft, nur Benji hatte zu seinem Unmut nasse Pfötchen bekommen. Man muss allerdings dazusagen, dass der Fluss gerade einmal knöcheltief war. Allzu dramatisch wäre ein „Abrutschen“ vom Stein deshalb nicht gewesen.

Glücklich, auch dieses Hindernis überwunden zu haben, machten wir uns an die letzte Etappe.

Nach einem letzten Aufstieg wurden wir wieder mit einer herrlichen Landschaft belohnt. Inzwischen hatte sich auch die indische Reisegruppe auf denselben Weg gemacht und stolperte nun vor und hinter uns her.

Eine Weile gingen wir in dem nicht enden wollenden Strom von Indern mit, bis wir schließlich stehen blieben und die Gruppe an uns vorbeiziehen ließen. Schließlich konnte man die Natur besser genießen, wenn einem nicht permanent die hektisch klingenden Gespräche der sehr mitteilungsbedürftigen Menschen ins Ohr drangen. Zudem wollten wir unsere Bilder nicht hinterher mit KI nachbearbeiten, um die ganzen Menschen wieder aus den Aufnahmen zu entfernen. Benji störte sich weniger an der Reisegruppe als an den Eichhörnchen, die ihm mehrfach frech über den Weg liefen bzw. ihm vor der Nase den Baum hochkletterten. Der Kleine teilte uns lautstark mit, dass die frechen kleinen Kerlchen nicht mit ihm spielen wollen.

Nach insgesamt sechs Stunden hatten wir es geschafft und erreichten das Auto noch vor Anbruch der Dunkelheit.

Noch beschwingt von dem Adrenalin unseres kleinen Abenteuers suchten wir uns ein Pub, in dem man etwas essen und auf dem dazugehörigen Campingplatz nächtigen konnte – zumindest laut dem lieben Internet. Dort angekommen, mussten wir feststellen, dass das Pub inzwischen mangels Besuchern dichtgemacht hatte und die Besitzerin nur noch den dazugehörigen Campingplatz betrieb.

Schon etwas traurig darüber, nach diesem anstrengenden Tag selbst kochen zu müssen, beschlossen wir dennoch, dort zu bleiben, um nicht noch so spät einen neuen Campingplatz suchen zu müssen. Leider funktionierten unsere EC- und Kreditkarten dann nicht. Es war nur eine andere Zahlungsart möglich und so blieb uns keine andere Wahl, als noch einmal weiterzuziehen.

Eine Ortschaft weiter wurden wir dann doch noch fündig. Im Pub The Ancient Briton bekamen wir gerade so noch etwas zu essen – ab 20 Uhr machte die Küche dicht. Das war haarscharf gewesen.

Zufälligerweise hatten wir damit ein richtig gutes Pub gefunden. Das Ancient Briton ist mehrfach für seine Pub- und Gastronomiequalität ausgezeichnet worden und hat sich in der Region einen guten Ruf erarbeitet. Das Rumpsteak war auch außergewöhnlich gut und auch den Beef Burger können wir klar empfehlen. Leider durften wir danach auf dem Campingplatz trotz des vorherigen Pubbesuchs nicht umsonst nächtigen. Viele Pubs bieten das in England ihren Gästen an. Wir waren einfach froh, überhaupt einen Schlafplatz gefunden zu haben, und sahen darüber hinweg.

Am nächsten Morgen erwartete uns dann eine ganz besondere Überraschung – es regnete! Nein, das war nicht die Überraschung, sondern der kleine Indoor-Wasserfall, der auf einmal im Bulli über unserer Küche nach unten tröpfelte …

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