Finale mit beeindruckender Größe

Veröffentlicht am 24. September 2026 um 22:08

Unsere Reise neigte sich so langsam dem Ende zu. Wir hatten drei Tage für die Heimreise eingeplant und wollten dabei versuchen, noch ein paar spannende Fleckchen mitzunehmen.

Bevor wir Wales endgültig verließen, hielten wir deshalb noch einmal im Clwydian Range & Dee Valley Nationalpark am Pontcysyllte Aquädukt. Im Wohngebiet konnten wir direkt am Kanal parken und in wenigen Minuten zum Aquädukt laufen. Im Kanal lagen einige lange, schmale Boote – zum Großteil Hausboote im Privatbesitz oder Boote zur Vermietung, aber auch ein fahrender Souvenirshop. Diesen erkannten wir allerdings erst auf den zweiten Blick. Durch die tolle Metalldeko auf dem Dach des Bootes wurde man neugierig und erst dann fiel der Blick auf die Aufschrift. So standen dort zum Beispiel ein Piratenskelett, eine Kanone und sogar Wall-E auf dem Dach. Ein paar Kajakfahrer zogen ebenfalls an uns vorbei.

Das war auf dem Kanal und auch über das Aquädukt hinweg erlaubt. Lediglich Stand-Up-Paddling war auf dem Aquädukt verboten – was durchaus verständlich ist. Schließlich gibt es auf der Kanalseite keinerlei Schutzgeländer und ein Sturz aus dieser Höhe wäre ziemlich unangenehm geworden. Für Kajaks und Kanus gelten dagegen andere Regeln. Das Aquädukt ist übrigens über 200 Jahre alt und führt den Llangollen Kanal in rund 38 Metern Höhe über das Dee Valley.

Christoph ging ungefähr bis zur Mitte des interessanten Bauwerks, um ein paar Bilder aufzunehmen. Aufgrund der Höhe wartete Marilyn mit Benji lieber auf sicherem Boden. Bei solchen Höhen konnte einem schließlich schnell ganz anders werden.

Da es inzwischen dämmerte, war nicht allzu viel los. Am nächsten Morgen sah das allerdings anders aus. Aufgrund einer Übernachtung ganz in der Nähe konnte Christoph das Morgengassi noch einmal dazu nutzen, das Aquädukt bei mehr Tageslicht zu betrachten. Er berichtete danach von Menschenmassen, die in Passagierbooten, in Kajaks oder zu Fuß in fast 40 Metern Höhe unterwegs waren. Auch Helfer des Canal & River Trust waren zugegen und informierten über das Bauwerk beziehungsweise sammelten Spenden für dessen Erhaltung.

Vor der Weiterfahrt besuchten wir dann noch eine letzte Burgruine – das Castell Dinas Brân – kostenlos und praktisch um die Ecke im Clwydian Range & Dee Valley Nationalpark. Der Weg dorthin hatte es dann noch einmal in sich: Steile Single Tracks führten durch die bergige Landschaft nach oben. Die Ruine lag schließlich ebenfalls auf einem Berg und man hatte von dort eine klasse Aussicht.

Wichtig ist hierbei, den richtigen Weg zum Parkplatz der Ruine zu nehmen. Kommt man südlich von Llangollen, dann ist die Zufahrt noch steiler. Die östliche Zufahrt aus Richtung Aquädukt hingegen ist zwar auch steil, aber deutlich moderater. Klugerweise hatten wir das zuvor recherchiert, um den Bulli nicht allzu sehr quälen zu müssen.

Der Parkplatz erwies sich als Seitenstreifen, auf den nur ein paar Autos passten. Nur mit Glück bekamen wir noch einen freien Platz. Es war mehr los als erwartet – kein Wunder, denn es war Sonntag und das Wetter bombastisch. Inzwischen hatten wir herausgefunden, dass das Wetter hier in Wales einem gewissen Muster folgte: Auf einen Sonnentag folgten meist zwei Regentage – oder umgekehrt. Mit diesem gesunden Mix, der auch der Natur gut tut, konnten wir durchaus leben.

Den restlichen Weg zur Ruine musste man zu Fuß zurücklegen. Dieser führte mal wieder über eine Schafswiese steil den Berg hinauf. An den steilsten Stellen waren dankenswerterweise Stufen angelegt worden. Nach rund 15 Minuten waren wir oben.

Das Internet hatte nicht zu viel versprochen – das Castell bestand zwar wirklich nur noch aus einer Ruine, aber die Aussicht war wunderschön. Zur einen Seite hin konnte man den Nationalpark sehen, der sich nach Norden erstreckte. Nach Osten geblickt tauchte in der Ferne wieder das beeindruckende Aquädukt auf, das wir zuvor besucht hatten.

Historisch ist das Castell Dinas Brân ebenfalls interessant. Auf dem Gipfel befand sich bereits zuvor ein eisenzeitliches Hillfort, bevor hier im 13. Jahrhundert die walisischen Fürsten von Powys Fadog eine steinerne Burg errichteten. Die heute sichtbaren Reste stammen vermutlich größtenteils aus den 1260er-Jahren. Die Burg war Teil der walisischen Verteidigung gegen den zunehmenden englischen Druck und wurde auf dem markanten Berg nicht zufällig so spektakulär platziert. Viel Zeit blieb ihr allerdings nicht: Bereits im Zuge der englischen Eroberung von Wales geriet die Anlage unter Druck und wurde schließlich aufgegeben. Heute stehen nur noch die eindrucksvollen Reste des einstigen Bauwerks auf dem Berg.

Wir warteten etwas ab, bis sich ein Großteil der Besucher auf den Weg nach unten machte und nutzten dann die Chance für tolle menschenfreie Fotos. Nur eine junge Mädelsgruppe, die hier oben tanzte, dazu sang und sich dabei filmte, blieb am Ende zurück. Allerdings standen sie strategisch so gut, dass wir sie nicht mit ablichten mussten.

Nach diesem letzten schönen Ausflug in Ostwales verließen wir das schöne Wales nun endgültig. Für den nächsten Halt hatte Christoph noch einen ganz besonderen Wunsch: The Farmer’s Dog.

Wer die Dokumentationsreihe „Clarkson’s Farm“ oder "Top Gear" bzw. „The Grand Tour“ kennt, dem sagt dies bestimmt schon etwas. Es handelt sich dabei um das Pub von Jeremy Clarkson, einem der Hauptakteure aus diesen Serien. Der TV-Star hatte ohne landwirtschaftliche Erfahrung Farm übernommen und diese selbst bewirtschaftet und nach und nach immer weiter ausgebaut. Inzwischen führt er neben seiner Farm, die ganz in der Nähe liegt, auch ein Pub sowie einen Biergarten mit Farmshop daneben. Dort steht unter anderem das kleine Grand-Tour-Zelt, das man aus der Serie kennt. Das Pub befindet sich bei Asthall nahe Burford in den Cotswolds.

Erwähnenswert ist hierbei, dass Jeremy großen Wert darauf legt, möglichst ausschließlich britische beziehungsweise regional produzierte Speisen und Getränke anzubieten. Das Pub ist entsprechend beliebt und für einen Tisch muss man zwingend reservieren. Der Biergarten beziehungsweise Außenbereich steht dagegen auch ohne Reservierung zur Verfügung. Laut dem Türsteher ist es das "busiest pub of great britain", das bereits 2 Monate im Voraus ausgebucht ist.

So ließen wir uns nur im Biergarten auf ein Getränk und etwas zu essen nieder. Für einen Fan war ein kurzer Stopp hier vermutlich ein Muss.

Unser letzter Tag in England brach an. Unser letztes Ziel sollte ein kleines Highlight werden … was wäre da naheliegender als Stonehenge?

Wir hatten auf dieser Reise bereits von den Bluestones aus den Preseli Hills berichtet, die der Forschung zufolge tatsächlich bis nach Stonehenge transportiert wurden. Natürlich mussten wir uns das jetzt einmal genauer ansehen.

Dieses Mal recherchierten wir vorab gründlich. Das war auch gut so, denn Hunde durften nicht mit in das eigentliche Monument Field rund um die Steine. Auf den offiziellen Wegen rund um den Steinkreis konnte man die Steine ohnehin nur aus einigem Abstand betrachten. Die Regeln dienen dem Schutz des empfindlichen Bodens, der Landschaft und natürlich auch des eigentlichen Denkmals. Eine Ausnahme bilden lediglich Assistenzhunde.

Tatsächlich kommt man nur bei speziellen Führungen ganz nah an die Steine heran. Das hatte seinen Preis und kam für uns nicht in Frage. Auch Benji im Auto lassen wollten wir bei diesem Wetter nicht. Es gab allerdings noch eine dritte Option …

Der National Trust besitzt und betreut große Teile der Landschaft rund um Stonehenge und bietet dort einen kostenlosen Zugang über öffentliche, beziehungsweise freigegebene Wege an. So konnten wir mit Benji über die Wiesen spazieren und die Steine zumindest aus einer anderen Perspektive sehen. Das fanden wir mal einen richtig feinen Zug und nahmen diese Möglichkeit dankend an.

Was wir nicht wussten: Das Parken war nur wenige Meter vom Zugang zu diesem Weg entfernt ebenfalls kostenfrei möglich. Etliche Camper standen hier bereits und es waren sogar noch Plätze frei. Wir hatten von unserer KI allerdings einen Parkplatz am anderen Ende der großen Wiese empfohlen bekommen und mussten deshalb erst einmal rund vier Kilometer über Wege zwischen Wiesen mit vielen Schafen laufen – in der knallenden Sonne.

Tatsächlich war es der heißeste und sonnigste Tag unserer Reise: 23 Grad, Sonnenschein, keine Wolke am Himmel. Wärmer als zuhause! Auf dem Weg zu den Steinen kamen wir deshalb ganz schön ins Schwitzen.

Hinweisschilder auf dem Weg verrieten dafür schon etwas zur Historie von Stonehenge und zu weiteren alten Monumenten, die hier in der Umgebung zu finden waren. Für die meisten Besucher zählte allerdings nur Stonehenge selbst. Uns hätten auch die anderen historischen Stätten durchaus interessiert, jedoch hatten wir nicht allzu viel Zeit, da wir noch ein gutes Stück zum Hafen zu fahren hatten. Unsere Fähre nach Hause ging schließlich in ein paar Stunden.

Dabei ist die Landschaft rund um Stonehenge mindestens genauso spannend wie die berühmten Steine selbst. Hier befinden sich unter anderem Woodhenge, die riesigen Erdwerke von Durrington Walls (dort parkten wir davor) der Cursus (ein weiteres prähistorisches Monument) und zahlreiche bronzezeitliche Grabhügel. Insgesamt zählt die Umgebung zu den bedeutendsten prähistorischen Landschaften Europas. Allein im weiteren Stonehenge-Gebiet gibt es mehr als 350 Grabhügel und zahlreiche weitere Monumente.

Auch die alte Straße, die früher ein wichtiger Verkehrsweg durch die Landschaft war, wurde auf einem Schild erwähnt. Erkennen konnte man diese allerdings kaum noch, da die alten Spuren inzwischen größtenteils von Gras überwachsen sind. Gemeint war die Stonehenge Avenue, eine etwa 2,8 Kilometer lange prähistorische Anlage aus parallel verlaufenden Gräben und Erdwällen, die Stonehenge mit dem Fluss Avon verbindet. Sie entstand vermutlich um 2300 v. Chr. und könnte einst als zeremonielle Prozessionsroute gedient haben.

Deshalb an dieser Stelle unsere Empfehlung: Wenn ihr keine große Wanderung unternehmen möchtet, dann parkt hier --> Link. Falls ihr an der rund 11-km-Runde interessiert seid, die wir am Ende gegangen waren, dann nehmt den Parkplatz am Woodhenge Car Park und folgt diesem Komoot Track. Er führt euch zum Stonehenge Public Byway. Dort ist auf alle Fälle deutlich weniger los und man zahlt auch nichts. Der offizielle Parkplatz zu Stonehenge kostet im Übrigen auch noch einmal 4 Pfund. Zusätzlich zu den 24 Pfund Eintrittspreis pro Person (Erwachsener) ist das ganz schön knackig. Und guter Letzt muss man dann auch noch vom Besucherzentrum aus, an dem man die Tickets kauft, mit einem Shuttlebus, der ebenfalls etwas kostet zum Steinkreis fahren oder 25 min. Laufweg in Kauf nehmen. Anders kommt man nicht hinein. Umso charmanter wird die Kombination aus kostenlosem Landschaftsweg und kostenfreien Parkmöglichkeiten an dieser Stelle.

Als wir schließlich völlig durchgeschwitzt auf dem Weg standen, konnten wir aufgrund des Sonnenstandes nur aus einer Perspektive heraus tolle Bilder aufnehmen. Die Bluestones aus den Preseli Hills, die im inneren Steinkreis sowie im Hufeisen zu finden sein sollen, sahen wir von hier aus nur teilweise. Die berühmten blauen Steine wurden tatsächlich aus dem Südwesten von Wales hierher transportiert – mehr als 250 Kilometer weit. Wie genau die Menschen der Jungsteinzeit diese mehrere Tonnen schweren Steine über eine solche Entfernung transportierten, ist bis heute nicht endgültig geklärt.

Stonehenge selbst entstand nicht auf einmal. Die ersten größeren Anlagen an dieser Stelle wurden bereits vor rund 5.000 Jahren errichtet. Um etwa 3000 v. Chr. entstand zunächst ein großer Erdwall mit Graben. Einige Jahrhunderte später wurden die gewaltigen Sarsensteine aufgestellt und die Anlage immer wieder verändert. Der eigentliche Steinkreis, wie wir ihn heute kennen, entstand in mehreren Bauphasen ab etwa 2500 v. Chr. und wurde noch über viele Jahrhunderte weiter genutzt und umgebaut.

Eine der faszinierendsten Besonderheiten von Stonehenge ist seine Ausrichtung auf die Sonnenwenden. Der Pfeil auf dem Bild zeigt die Richtung, aus der die Sonne zur Sommersonnenwende aufgeht – genau entlang der zentralen Achse des Steinkreises und in Richtung des Heel Stone.

Kein Wunder also, dass dieses Ereignis bis heute Menschen in seinen Bann zieht. Zur Sommersonnenwende kommen zahlreiche Besucher nach Stonehenge, um den Sonnenaufgang zwischen den jahrtausendealten Steinen zu erleben – ein Moment, bei dem die astronomische Ausrichtung der Anlage besonders eindrucksvoll sichtbar wird. Der Eintritt ist an diesem Tag sogar kostenlos und die Steine sind frei zugänglich.

Marilyn: Eine kleine Korrektur zum Video: Der kostenfreie, offizielle Weg, den wir gegangen sind, nennt sich nicht "Trust Way", sondern wie oben schon erwähnt "Stonehenge Public Byway". Auf unseren Recherchen wurde er nur von anderen Nutzern so genannt, da schon viel Vertrauen mit dabei ist, dass niemand den niedrigen Zaun überwindet. Das Wording blieb bei mir wohl hängen. Man merkt an meinen kleinen Versprechern und dem schnellen Schwenk des Videos auch, dass ich kein guter Influencer bin... für einen ersten Eindruck von Stonehenge und dem Stonehenge Public Byway sollte es aber reichen ;-)

Wir waren schlussendlich sehr froh, von dieser kostenfreien Variante erfahren zu haben, denn sonst wäre unser Besuch bei Stonehenge wieder nichts geworden. Bei diesem Wetter hätten wir Benji nicht im Auto lassen wollen und uns abwechseln wollten wir uns dabei eigentlich auch nicht. Solch ein Highlight möchte man schließlich gemeinsam erleben. Der Blick auf die Steine aus dieser Entfernung und Perspektive reichte uns auch völlig aus. Hauptsache, man war einmal da gewesen …

Beflügelt von diesem krönenden Abschluss machten wir uns schließlich wieder auf den Rückweg zum Auto und fuhren weiter gen Hafen von Dover. Unsere Fähre würde schließlich in rund sieben Stunden dort ablegen und uns wieder nach Hause bringen...

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