Am nächsten Morgen checkten wir erstmal den Trockner, den wir am Vorabend angeworfen hatten. So wie es aussah, war der Trockner in einen Fehler gelaufen, denn unsere Sachen waren alle noch so nass wie am Vortag. Das war ziemlich ungünstig, da wir sie nicht einfach irgendwo aufhängen konnten und wir für heute eigentlich eine Fahrradtour am Fluss Mawddach geplant hatten. Zwangsläufig mussten wir also zu einer Wäscherei fahren und dort einen Trockner anwerfen. Das war schon etwas ärgerlich – waren wir den Campingplatz nicht genau deswegen angefahren?
Der Morgen war außerdem ziemlich windig und ungemütlich und so mussten wir leider drinnen frühstücken. Das war schade bei so einem tollen Campingplatz mit Meerblick. Wenigstens konnten wir das Rollo öffnen und hatten so zumindest einen Blick auf das Meer.
Zum Glück gab es im Nebenort, direkt am Start unseres Mawddach Trails, eine Wäscherei. Der Trockner kostete für 30 Minuten ganze 7 Pfund! Das war Wahnsinn! Noch vor zwei Jahren auf unserer Reise hatten wir hier maximal 3 oder 4 Pfund bezahlt. Dennoch blieb uns keine andere Wahl. Nach 30 Minuten war die Wäsche dann auch wirklich gut trocken und so kamen wir leicht verspätet schließlich gegen 13 Uhr am Parkplatz unseres Startpunktes an.
Einige andere Autos mit Radträgern hinten drauf parkten hier bereits. Nachdem wir alles gerichtet und Benjis Anhänger wieder zusammengebastelt hatten, ging es los.
Der Mawddach Trail ist für Fußgänger sowie für Radfahrer gleichermaßen interessant, da er fast vollständig verkehrsfrei immer am Fluss Mawddach entlangführt. Die komplette Strecke führt von Dolgellau bis nach Barmouth über rund 15 Kilometer. Der Weg verläuft größtenteils auf der ehemaligen Bahntrasse und ist deshalb wunderbar eben.
Unser Plan war, Benji erstmal mitrennen zu lassen, bis er schließlich zu müde dafür wäre. Dann sollte er im Anhänger mitfahren. Der Kleine freute sich sichtlich, endlich wieder rennen zu dürfen.
Die erste Strecke führte durch ein Waldstück und nur kurze Zeit später erreichten wir die sehenswerteren Abschnitte, die direkt am Wasser entlangführten. Aktuell war Ebbe und so war das Mündungsgebiet von großen Sandbänken durchzogen. Ein spannender Anblick! Vor allem das Seegras, das auf einigen Sandbänken wuchs, war sehr interessant und hatten wir so noch nicht gesehen.
Viele Schafe standen entlang oder gar auf den Wegen herum, flüchteten aber eilig, sobald wir uns näherten.
In dem Video sieht man Benji bei einer kurzen Rennsequenz. Manchmal überkommt es ihn und dann rennt er sogar noch schneller. Natürlich sind wir, die Zeit in der er mit gelaufen ist, nicht immer in so einem hohen Tempo gefahren.
Highlight der Route war die lange Holzbrücke am Ende, über die man den Mawddach nach Barmouth überquert. Die Eisenbahnstrecke führt direkt neben dem Bereich für Fußgänger und Radfahrer über die Brücke. Die historische Barmouth Bridge ist rund 820 Meter lang und holpert stellenweise ganz schön bei der Überfahrt.
Tatsächlich donnerte an uns ein Zug vorbei, als wir mitten auf der Brücke standen. Das gefiel Benji gar nicht. Der war tatsächlich die ganze Strecke bis hierher mitgelaufen und hatte noch keine Müdigkeit gezeigt. Das waren immerhin 13 Kilometer gewesen – zwar langsam und mit einigen Fotopausen, aber dennoch eine ordentliche Strecke für so einen kleinen Kerl.
Hinter der Brücke setzten wir ihn für das letzte Stück dann doch noch in den Hänger, da wir, um in den Ortskern zu gelangen, kurz auf der Straße fahren mussten.
Das Wetter hatte sich seit wir aufs Rad gestiegen waren deutlich verbessert und so schien jetzt sogar die Sonne auf uns herab. Das machte den kleinen Bummel durch den Ort umso angenehmer.
Die Räder schlossen wir dazu am Geländer der Uferpromenade ab und begaben uns zu Fuß auf Erkundungstour. Immer an der Uferpromenade entlang folgten wir dem Weg Richtung Strand und sahen dort Boote auf dem Sand liegen – auch hier war die Ebbe deutlich zu erkennen.
Unsere nächstes Ziel war die Bäckerei beziehungsweise der General Store von Dylan’s. Christoph hatte die Empfehlung aus einem Busfahrplan, in dem offenbar für jeden Ort, an dem der Bus hielt, kleine Reisetipps zu finden waren. Den Plan hatte er auf dem letzten Campingplatz mitgenommen, um noch mehr Informationen über die Region zu sammeln. Das zahlte sich jetzt aus.
Bei Dylan’s gab es interessante und sehr schmackhafte süße Teilchen und so kauften wir dort 2 süße große Kalorienbomben , u.a. die beste Zimtschnecke, die wir je gegessen hatten. Das Geheimnis war die Haselnusscreme mit weißer Schokolade, die als Topping auf der Zimtschnecke zu finden war.
Solltet ihr also jemals in Barmouth sein: Geht zu Dylan’s! Die dort angebotenen Backwaren sind alle hausgemacht und daneben gibt es auch noch Feinkostartikel zu entdecken. z.B. ein Käse, der auch bei den englischen Royals auf den Tisch kommt (wir kauften uns den Käse ebenfalls).
Am Ende unserer Erkundungstour beschlossen wir, uns heute mal Fish ’n’ Chips zu gönnen – das erste Mal auf unserer Englandreise. Schließlich gehörte das für uns irgendwie zum englischen Kulturgut dazu.
Laut unseren Internetrecherchen sollte es die besten Fish ’n’ Chips bei The Mermaid geben. Viele Einheimische standen bereits vor dem kleinen Takeaway und die lange Schlange sprach irgendwie klar für den Laden. Auch heute wird The Mermaid in Barmouth sehr häufig für Fish & Chips empfohlen und gehört bei Tripadvisor zu den bestplatzierten Adressen der Stadt.
Freie Tische gab es natürlich nicht mehr und so nahmen wir unser Essen mit, um es auf einer Bank mit Strandblick zu verzehren. Da waren wir nicht die Einzigen, hatten doch auch einige andere Menschen die Mermaids Tüten an den Strand getragen.
Ein paar freche Möwen beobachteten uns dabei, trauten sich aber nicht näher heran, da Benji auf sie lauerte. Ein mutiger kleiner Spatz hüpfte irgendwann ganz nah an Benji heran und stibitzte sich ein Stück heruntergefallene Panade vom Boden. Das mutige Kerlchen war tatsächlich erfolgreich – und Benji bekam davon überhaupt nichts mit.
Auf der Rückfahrt kam die Flut zurück und tauchte die Landschaft in ein ganz anderes Licht. Wir schienen an einem völlig anderen Fluss zurückzufahren. Angler standen aufeinmal auf der Brücke und angelten in dem landeinwärts fließenden Fluss, der plötzlich unter uns erschienen war. Auch auf dem weiteren Rückweg fiel sofort auf, dass die Sandbänke verschwunden waren - alles stand nun unter Wasser! Der Mawddach hatte sich innerhalb weniger Stunden komplett verändert!
Benji packten wir dieses Mal direkt in den Anhänger, da wir es nicht übertreiben wollten. Er selbst kannte vermutlich gar kein Ende und merkte seine Überanstrengung wahrscheinlich gar nicht. Zudem war er auch noch tapfer mit uns durch den Ort gegangen.
Es war auch gut so, dass er im Hänger saß, denn auf dem Rückweg standen plötzlich ein paar Kühe mitten auf dem Weg vor uns. Wir überlegten schon, wie wir an ihnen vorbeikommen sollten, zumal sie auch Kälber dabei hatten.
Zum Glück kam der Bauer kurz darauf schon aus der Weide links vom Weg gelaufen. Er trieb die Kühe vor sich her und wir folgten ihnen langsam. Er fragte uns, ob auf dem Weg nach Barmouth noch sehr viel los gewesen sei. Wir verneinten – waren wir doch mit die Letzten, die sich hier auf dem Rückweg befanden. Bald würde es schließlich schon dämmern.
Ein paar Meter weiter trieb er die Kühe auf eine Weide zur Rechten und erklärte uns, dass er sie umsiedeln musste, da sie bei der Flut über den Fluss auf ein anderes Grundstück ausgebüxt waren. Das wäre an sich kein großes Problem gewesen, allerdings würden die Schafe ihnen folgen und deshalb musste er handeln.
Nach ein wenig Smalltalk wünschte er uns noch einen schönen Urlaub und wir fuhren den nun wieder freien Weg weiter. Jetzt fiel uns ein, dass wir auf dem Hinweg tatsächlich Kühe sahen, die durch das Wasser warteten. Das könnten einige der Ladys von eben gewesen sein.
Das war wirklich ein lustiges Erlebnis gewesen – und eines, das wir ohne die Entscheidung, Fish ’n’ Chips essen zu gehen, so wahrscheinlich nicht gehabt hätten. Zudem hatte es uns wieder einmal gezeigt wie freundlich die Waliser waren. Nicht nur der Bauer war sehr freundlich gewesen, sondern auch ein älteres Ehepaar, dass uns auf dem Hinweg direkt gefragt hatte, ob bei uns alles in Ordnung sei, nur weil wir bei einer kleinen Pause hinter dem Rad Anhänger standen, um Benji etwas zu trinken zu geben.
Den letzten Abschnitt ließen wir Benji dann doch nochmal rennen. Zu unserer Überraschung packte er alle seine Reserven aus und sprintete erfreut los. Der Kleine war einfach nicht müde zu kriegen und hatte sichtlich Spaß daran nochmal richtig Gas zu geben. Nur das Ziel bremste unseren kleinen Langstreckenläufer schließlich aus.
Wir übernachteten auf einem Parkplatz um die Ecke, da es, bis wir die Räder und den Anhänger wieder auf den Radträger gepackt hatten, bereits dunkel geworden war.
An dieser Stelle nochmal tausend Dank an die liebe Sabine, von der wir den Radanhänger bekommen haben! Er hat sich für uns seitdem schon mehrfach ausgezahlt – und spätestens nach diesem Tag wussten wir wieder ganz genau, warum.
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