Wir haben beschlossen, unserem Schreibstil treu zu bleiben und euch weiterhin mit allen interessanten Details zu versorgen. Der letzte Blogeintrag hat durch die Kürzung tatsächlich einiges an Charme eingebüßt. Also gibt es heute wieder die volle Ladung Wales – inklusive Schafen, Schiefer, Meer, süßen Versuchungen und natürlich jeder Menge walisischer Ortsnamen, bei denen man sich fragt, ob sich die Tastatur beim Schreiben nicht einfach verschluckt hat.
Die "Preseli Hills" ist eine Bergregion im oberen Teil von Pembrokeshire (Berg klingt in diesem Zusammenhang etwas übertrieben - sprechen wir lieber über sanfte offene Hügel und Hochflächen - die höchste Erhebung hat 536 m), die zu Wanderungen über trockene Grasflächen, Heide, Felsaufschlüsse und Weideland, sowie zum Teil über nasse und sumpfige Gebiete einlädt. Meist läuft man dort über Wiesen und einfache Wanderpfade und ist dabei von jeder Menge Schafen umgeben.
Für unsere Wanderung zu einem der Orte, aus denen die berühmten Bluestones für Stonehenge stammen, parkten wir am Straßenrand in einer längeren Parkbucht. Scheinbar hielt sich der Touristenansturm hier im Sommer in Grenzen, denn weit und breit war kein richtiger Parkplatz zu finden. Als wir ankamen hatten wir Glück und es waren noch genug Plätze in der Bucht frei. Beim Öffnen der Autotüren überraschte uns ein kräftiger Wind.
Die Wanderung – natürlich wieder nach einem Komoot-Track – führte uns zunächst zu einem Gatter, hinter dem eine ganze Menge Schafe lebten. Nur ein kleines Schild am Eingang verriet, dass wir auf diesem Weg zu zwei sehenswerten Orten gelangen konnten: Dem Foel Drygarn Hillfort und dem Schiefersteinbruch Carn Menyn.
Wir starteten mit dem Hillfort. Was ein Hillfort ist, hatten wir bereits am Anfang unserer Walesreise gelernt, als wir in Hermitage an einem solchen vorbeigekommen waren (Link zum Blogeintrag). Die vielen Schafe, die rund um uns herum grasten, beäugten uns misstrauisch und machten schnell Platz, als wir ihnen entgegenkamen. Benji war bei den vielen Gerüchen natürlich völlig aus dem Häuschen. Vermutlich lebten hier nicht nur Schafe, sondern auch Hasen und andere Tierchen, die vor allem in der Dämmerung und nachts unterwegs sind.
Der Weg zum Hillfort führte ständig bergauf und der Wind nahm immer weiter zu. Den Weg musste man sich teilweise selbst suchen, da der Pfad, den andere Wanderer vor uns genommen hatten, kaum noch erkennbar war. Und jeder Schritt musste wohlüberlegt sein – schließlich wollte man nicht permanent auf die vielen Schafsköttel treten, die hier überall verteilt waren. Stellenweise war dies allerdings ein Ding der Unmöglichkeit.
Oben angekommen, standen wir vor den Überresten der ehemaligen Höhensiedlung. Das Foel Drygarn Hillfort stammt vermutlich aus der Eisenzeit und wurde damals von zwei steinernen Wallanlagen umgeben. Innerhalb der Befestigung lagen zahlreiche Hüttenreste und außerdem drei große Cairns, also steinerne Grabhügel. Die ursprünglichen Zustand konnte man heute allerdings nur noch mit ziemlich viel Fantasie erkennen. Auf einem Schild am Eingang erfuhren wir außerdem, dass die Preseli Hills nach dem Zweiten Weltkrieg für militärische Übungen genutzt werden sollten. Dafür sollten große Teile der Landschaft in ein dauerhaftes militärisches Übungsgebiet umgewandelt werden – ein Plan, gegen den sich die Bevölkerung der umliegenden Gemeinden erfolgreich zur Wehr setzte und so blieb die Nutzung durch das Militär nur vorübergehend.
Dafür war die Aussicht umso besser. Wir befanden uns schließlich wieder einmal auf einer der höchsten Erhebungen der Umgebung – und der kräftige Wind sorgte zusätzlich dafür, dass wir den Rundumblick garantiert nicht so schnell vergessen würden.
Nächstes Ziel waren zwei Steinaufschlüsse: Der kleinere Carn Gyfrwy, der am Eingang gar nicht erwähnt wurde, und der größere Carn Menyn. Mit viel „Pfadsuche“ und der Hilfe von Komoot schafften wir es, möglichst auf den vorhandenen Wegen zu bleiben und schließlich wieder auf den breiteren Weg zu stoßen, der zu den Steinbrüchen führte. Natürlich hätte man auch querfeldein laufen können – die Landschaft war relativ flach und das Ziel bereits von Weitem zu sehen. Schnell bemerkten wir allerdings, dass das keine besonders gute Idee gewesen wäre. Abseits der Wege war der Boden durchweicht und man sank teilweise ordentlich ein. Nasse Füße wären also garantiert gewesen.
Am Carn Gyfrwy angekommen, kletterten wir erst einmal auf einige der großen Steine, um uns einen Überblick zu verschaffen. Der Wind war hier etwas schwächer als auf dem Hillfort, aber immer noch deutlich zu spüren. Von oben konnten wir bereits auf den dahinterliegenden Carn Menyn schauen, der noch einmal deutlich größer wirkte.
Beeindruckende, riesige Felsblöcke ragten dort aus der Landschaft und türmten sich teilweise wie natürliche Steinhaufen übereinander. Wir suchten uns dort angekommen ein halbwegs windstilles Plätzchen und machten erst einmal eine kleine Pause. Dabei recherchierten wir die Geschichte von Stonehenge.
Und die ist tatsächlich ziemlich faszinierend: Die kleineren, als Bluestones bezeichneten Steine von Stonehenge stammen aus verschiedenen Gesteinsaufschlüssen in den Preseli Hills. Welche Steine genau von welchem Aufschluss stammen, ist Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen. Carn Menyn wurde lange Zeit als eine der möglichen Hauptquellen angesehen; neuere Untersuchungen weisen jedoch auch auf andere Aufschlüsse hin. Sicher ist vor allem: Die Steine wurden aus den Preseli Hills im Südwesten von Wales über rund 250 Kilometer bis nach Stonehenge transportiert.
Wie die Menschen der Jungsteinzeit diese tonnenschweren Steine tatsächlich über diese enorme Entfernung transportierten, ist bis heute nicht vollständig geklärt. Vermutlich kamen dabei Holz, Schlitten, Seile und vor allem sehr viele helfende Hände zum Einsatz. Allein die Vorstellung, solche Gesteinsbrocken ohne moderne Maschinen über Hunderte Kilometer zu bewegen, ist beeindruckend.
Das Buch „Stonehenge“ von Ken Follett erzählt diese Geschichte übrigens ebenfalls sehr anschaulich nach. Marilyn, die das Buch gelesen hat, kann es Interessierten wärmstens empfehlen.
Nach diesem kleinen geschichtlichen Exkurs setzten wir unseren Weg durch die vielen Steine noch etwas fort und wichen dabei auch vom Komoot-Pfad ab. Es gab einfach zu viel zu entdecken.
Schließlich kehrten wir über den breiten und gut begehbaren Weg wieder zum Auto zurück. Interessant war, dass wir auf der gesamten Wanderung gerade einmal drei Menschen trafen: Einen Radfahrer und ein Pärchen mit Hund. Erst zurück am Parkplatz kamen uns dann doch noch ein paar weitere Wanderer entgegen.
Etwa drei Stunden dauerte unser kleiner Exkurs in die Vergangenheit → Komoot Track
Als nächstes Ziel wählten wir Mwnt Beach – der Name ist unaussprechlich, so wie in unseren Augen die meisten walisischen Wörter. Dafür war der Strand umso schöner.
Inzwischen hatten wir Pembrokeshire verlassen und befanden uns in der Region Ceredigion. Das Wetter mauserte sich ebenfalls etwas: Die Sonne kam heraus und kaum waren wir am Strand angekommen, ließ sogar der Wind nach.
Um uns die fünf Pfund Parkgebühr für den Strandparkplatz zu sparen, beschlossen wir kurzerhand, direkt auf dem Campingplatz nebenan einzuchecken – dem Tŷ Gwyn Caravan and Camping Park.
Für nur 25 Pfund bekamen wir hier einen Stellplatz mit herrlichem Meerblick. Wie auf den meisten Campingplätzen war in der Nachsaison nicht mehr viel los und so ergatterten wir wieder einmal einen Platz in Pole Position.
Begeistert brachen wir direkt nach dem Parken und Ausrichten des Bullis über den hübschen Klippenwanderweg zum Strand auf. In nur etwa 15 Minuten war dieser zu Fuß zu erreichen.
Wusstet ihr eigentlich, dass man die gesamte walisische Küste auf dem Wales Coast Path zu Fuß erkunden kann? Der Küstenweg ist rund 1.400 Kilometer lang und führt von der englischen Grenze bei Chester im Norden bis nach Chepstow im Süden.
Am Parkplatz des Strandes angekommen, passierten wir zunächst ein süßes kleines Kiosk, das vor dem Abstieg zum Strand am Weg lag. Hier saßen einige Herrchen und Frauchen mit ihren Hunden auf den Bänken. Das kam uns schon wieder spanisch vor.
Tatsächlich lag es – wie so oft in Wales – am Hundeverbot am Strand. Bei Mwnt Beach sind Hunde in der Hauptsaison komplett vom Strand ausgeschlossen. Also hieß es für uns wieder: Einer bleibt oben bei Benji, während der andere baden geht.
Da wir einen dritten Versuch unternehmen wollten, endlich einmal im Meer zu baden, wechselten wir uns dabei wieder ab. Zunächst nahm Christoph Benji mit auf die Klippe links oberhalb des Strandes. Dort setzte er sich ins Gras und versuchte, mit dem Fernglas ein paar Delfine zu erspähen, die vor der Bucht leben sollten. Marilyn ging währenddessen die restlichen Treppen zum Strand hinunter. Dieser liegt in einer kleinen Bucht, die fast vollständig von Felsen eingerahmt wird.
Es war kaum noch etwas los – schließlich war es bereits 18 Uhr. Die Sonne schien, das Thermometer zeigte 22 Grad und jetzt hielt Marilyn nichts mehr vom Baden ab. Und tatsächlich: Versuch Nummer 3 gelang! Das Wasser war total angenehm und es machte richtig Spaß, durch die Wellen zu springen.
Delfine sah Christoph von oben leider keine. Baden wollte er auch nicht mehr, da es inzwischen schon wieder bewölkt und dadurch etwas kühler war.
Zurück am Campingplatz genossen wir es dafür, zur Abwechslung einmal draußen kochen und essen zu können. So stellten wir uns Camping vor!
Beim Abendspaziergang über den Klippenwanderweg sichteten wir dann tatsächlich doch noch von oben Delfine vor der Bucht! Es dämmerte bereits und trotzdem konnten wir sie unten mehrfach aus dem Wasser auftauchen sehen. Auf dem einen Bild sieht man leicht eine Schwanzflosse herausragen. Bessere Bilder konnten wir aufgrund der einsetzenden Dämmerung leider nicht aufnehmen.
Was für ein wundervoller Abschluss dieses perfekten Tages!
Auch am nächsten Morgen blieb das Wetter gut und so gönnten wir uns beide noch einmal ein gemeinsames Bad im Meer an diesem Traumstrand. Benji wartete dieses Mal im Bulli. Auch das kleine Café am Kiosk erkundeten wir noch kurz, bevor wir zurück zum Campingplatz aufbrachen und weiterzogen.
Unser nächstes Ziel war der kleine Ort Aberaeron.
Aberaeron ist ein kleiner Ort mit einem hübschen Kern und einem berühmten Restaurant, in dem man nicht nur gut essen, sondern auch ein ganz besonderes Honigeis genießen kann. Parkplätze gab es im Ort genug und so stellten wir den Bulli in Hafennähe ab.
Ein Spaziergang entlang der Hafenpromenade führte uns an den schmalen, bunten Häuschen vorbei, die hier definitiv zu den Highlights gehören. Am Hafen angekommen, eröffnete sich ein malerischer Anblick: Ein Fluss, der ins Hafenbecken mündete, schlängelte sich durch den Ort. Eine schöne Holzbrücke führte darüber in ein kleines Parkstück. Dahinter reihten sich die bunten Häuser aneinander und mittendrin thronte eine Kirche auf einer Anhöhe.
Den Fluss konnte man über die Brücke überqueren und anschließend auf beiden Seiten des Hafenbeckens entlanglaufen. So ergaben sich immer wieder neue Perspektiven auf den hübschen Ort.
Von der anderen Seite der Brücke hatten wir auch einen guten Blick auf das zentral gelegene Restaurant The Hive, das wir eingangs erwähnt hatten. Auffällig war, dass nahezu auf jeder Bank Menschen saßen, die ein Eis von dort in der Hand hatten. Das zeugte schon davon, dass es gut sein musste - wir waren gespannt. Nachdem wir ein wenig umhergeschlendert waren und alles auf uns hatten wirken lassen, kehrten wir schließlich dort ein. Mit Hund durften wir nur im Außenbereich sitzen. Von dort hatten wir allerdings einen schönen Blick auf die bunten Häuschen und die Kirche.
Leider gab es keinen Cream Tea mehr – dieser war uns vorab für einen Besuch im The Hive empfohlen worden. Dafür schmeckten uns auch die Kuchenalternativen: Blueberry und Carrot Cake. Und vor allem der Kaffee war eine Wucht! Kleine Anmerkung für Kaffeeliebhaber: Ein Latte Macchiato ist hier nicht unbedingt das, was man bei uns darunter versteht, sondern eher ein Mittelding zwischen Latte Macchiato und Espresso Macchiato. Die Röstung der Bohnen schien eine ganz besondere zu sein – und das schmeckte man auch! Wir müssen vermutlich nicht erwähnen, dass der Kaffee selbstverständlich aus einer Siebträgermaschine kam …
Zum Abschluss gönnten wir uns noch ein paar Bällchen vom legendären Honigeis, wegen dem angeblich einige Besucher von weit her anreisen.
Das Besondere: Der Honig ist bereits in die Basiseismischung eingearbeitet, sodass eigentlich jede Sorte ein Honigeis ist. Je nach Sorte kommt die Honignote dann mehr oder weniger stark durch.
Die cremige Konsistenz und der besondere Geschmack überzeugten uns jedenfalls sofort. Das Eis schmolz trotz der nicht allzu warmen Temperaturen erstaunlich schnell – aber das war eigentlich auch egal. Es schmeckte besonders und wirklich gut. Klare Empfehlung!
Nach dieser kleinen Schlemmerei zogen wir zufrieden zu unserem kostenfreien Übernachtungsplatz am South Beach Car Park direkt am Hafen von Aberystwyth weiter.
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