Nachdem wir die Gower-Halbinsel ausgiebig erkundet hatten, machten wir uns auf den Weg nach Pembrokeshire in West Wales.
Was wäre ein Urlaub in England ohne Scones? Geschmacklich gab es da allerdings große Unterschiede und nachdem uns unsere Online-Suche ausgiebig dazu beraten hatte, wo es die besten Scones in Wales gibt, steuerten wir einen dieser Spots auf dem Weg direkt an. Der Bramley’s Tea Room bei Tenby lag direkt neben einer Gärtnerei und sollte sehr gute hausgemachte Scones haben.
Nach einem Zwischenstopp bei Morrisons zum Einkaufen – inzwischen unser Lieblingssupermarkt in England, da die Auswahl sehr groß und das Sortiment sehr geordnet ist – kamen wir am Nachmittag an dem Tea Room an. Leider durften Hunde nicht mit hinein und so durften wir nur auf der Gartenterrasse sitzen. Diese war eigentlich aufgrund des schlechten Wetters geschlossen, allerdings boten uns die Betreiber dennoch an, dort Platz zu nehmen. Nicht gerade die beste Wahl bei dem leichten Sprühregen, der gerade eingesetzt hatte, aber unter den Sonnenschirmen war es halbwegs gemütlich.
Die Scones waren tatsächlich richtig gut und sogar noch warm. Lediglich die Cream war nicht hausgemacht und bei der Marmelade waren wir uns unsicher. Dennoch schmeckte alles sehr gut und wir waren zufrieden mit unserem Abstecher in diesen unscheinbaren Tea Room.
Wales ist das Land mit der höchsten Burgendichte Europas. Über 600 Burgen und Burgruinen sind über das gesamte Land verteilt – mehr Burgen pro Quadratmeile gibt es in keinem anderen europäischen Land. Kein Wunder also, dass wir uns vor unserer Reise schon erkundigt hatten, welche Burgen sich für uns besonders lohnen würden. Die Auswahl ist schließlich riesig.
Folgende Top 5 Burgen auf unserer Route hatten wir uns vorab ausgesucht:
- Harlech Castle
- Conwy Castle
- Beaumaris Castle
- Carew Castle
- Dolbadarn Castle
Das Carew Castle lag direkt um die Ecke vom Tea Room und so kam uns die Idee, direkt noch dort vorbeizuschauen. Fünf Minuten später standen wir auf dem Parkplatz und gingen in Richtung Eingang der Burgruine.
Leider hatten wir kein Glück – der letzte Einlass war bereits um 16 Uhr gewesen und wir hatten inzwischen schon 16:20 Uhr. Da uns das Castle nicht nur wegen seines zum Teil noch gut erhaltenen Inneren, sondern auch wegen der hübschen Umgebung und der Gezeitenmühle gegenüber empfohlen worden war, beschlossen wir, zumindest den Spaziergang um Castle und See zu machen und die Gezeitenmühle, die noch bis 17 Uhr geöffnet hatte, zu besuchen.
Einige Gassigänger waren auf dem Spazierweg um das Schloss herum unterwegs. Nahezu aus jeder Perspektive konnten wir das Castle so fotografieren. Es ragte imposant vor dem großen Millpond, dem künstlich aufgestauten Mühlenteich, auf. Besonders auffällig war, dass die Fensterrahmen zum Teil noch vollständig erhalten waren. Das sah man bei Burgruinen so auch nicht allzu oft.
Und das Castle hat tatsächlich einiges an Geschichte zu bieten. Der Platz war bereits in der Eisenzeit besiedelt, bevor die Normannen Ende des 11. bzw. Anfang des 12. Jahrhunderts hier eine erste Befestigung errichteten. Die heute noch sichtbaren Teile der Burg entstanden vor allem im 13. und 14. Jahrhundert. Später wurde die mittelalterliche Festung immer stärker zu einem repräsentativen Herrensitz umgebaut. Besonders auffällig sind deshalb die großen Fenster des sogenannten Elizabethan Manor, die direkt auf den Mühlenteich blicken. Während des Englischen Bürgerkriegs wechselte die Burg mehrfach den Besitzer und wurde schließlich 1686 aufgegeben.
Direkt gegenüber auf der anderen Seeseite stand die Gezeitenmühle. Neben dem Gebäude, in dem die Mühle untergebracht war, blickten wir auf einen typischen Staudamm mit Schleusentoren, mit denen der Wasserstand des dahinterliegenden Mühlenteichs reguliert werden konnte.
Das Prinzip dahinter war ziemlich clever: Bei Flut füllte sich der Mühlenteich mit Wasser. Die Schleusen wurden geschlossen und das Wasser so gespeichert. Bei Ebbe konnte es kontrolliert durch die Mühle abfließen und dabei die Wasserräder antreiben. Die Wasserkraft wurde genutzt, um Getreide zu mahlen und daraus Mehl herzustellen.
Die heutige Mühle stammt vermutlich aus dem frühen 19. Jahrhundert; eines der beiden Mühlräder trägt sogar die Jahreszahl 1801. Der Betrieb wurde schließlich 1937 eingestellt. Heute ist die Carew Tidal Mill die einzige restaurierte Gezeitenmühle in Wales.
Nach ca. 35 Minuten hatten wir den See umrundet und standen wieder am Haupteingang des Castles. Dort fielen uns die Flaggen auf, die munter im Wind wehten und zum Teil ein Schild mit einer kurzen Erläuterung daneben stehen hatten.
Da war zunächst die walisische Flagge. Diese zeigt einen roten Drachen auf weiß-grünem Grund. Der rote Drache – Y Ddraig Goch – ist eines der wichtigsten Symbole von Wales. Eine der bekanntesten Legenden erzählt von einem roten und einem weißen Drachen, die unter einem Berg in Dinas Emrys gekämpft haben sollen. Der rote Drache gewann und wurde dadurch zum Symbol der Waliser. So wurde er über die Jahrhunderte zu einem Sinnbild für Wales und die walisische Identität.
Die nächste Flagge war die Flagge von Pembrokeshire. Sie besteht aus einem gelben St.-David-Kreuz auf blauem Grund. In ihrer Mitte befindet sich eine Tudor-Rose, die an Henry VII erinnert, der im nahegelegenen Pembroke Castle geboren wurde. Die Flagge wurde erst 1988 offiziell registriert und ist damit deutlich jünger, als man bei ihrem historischen Aussehen zunächst vermuten würde.
Eine weitere wichtige Flagge war die von St. David. Sie zeigt ein goldenes Kreuz auf schwarzem Hintergrund und ist dem Schutzpatron von Wales gewidmet. St. David – auf Walisisch Dewi Sant – war ein christlicher Mönch und Missionar des 6. Jahrhunderts und gilt als Nationalheiliger von Wales. Sein Gedenktag, der 1. März, ist zugleich der walisische Nationalfeiertag.
Nach diesem kleinen Einblick in die Geschichte von Wales kehrten wir zum Auto zurück und fuhren zu einem Park4Night-Spot in der Nähe des Stackpole Quay. Wir befanden uns damit bereits mitten im weitläufigen Stackpole Estate, einem rund 12 m² großen historischen Landschaftsgebiet im Pembrokeshire Coast National Park. Hier wollten wir am nächsten Tag eine schöne Wanderung unternehmen, die uns unter anderem zu den berühmten Bosherston Lily Ponds, zum Stackpole Quay und zur Barafundle Bay führen sollte.
Nach einer ruhigen Nacht in einer Parkbucht brachen wir zeitnah zum Wanderparkplatz auf. Es war gut, dass wir früh dort ankamen, denn der Parkplatz füllte sich bereits. Unsere Rundwanderung starteten wir zunächst über eine Kuhweide, die uns zum ersten Highlight, der Eight Arch Bridge, führte. Die historische Steinbrücke wurde 1797 errichtet und verbindet die Umgebung von Stackpole Court mit dem ehemaligen Deer Park und dem Stackpole Quay. Sie führt über einen der beiden großen Lily Ponds, in denen Unmengen an Seerosen blühten. Die Blütezeit liegt ungefähr zwischen Juni und September, sodass wir tatsächlich genau zur richtigen Zeit hergekommen waren.
Auf einem kleinen Waldpfad führte der Weg an den Liliy Ponds entlang. Immer wieder wurden wir über kleine Steinbrückchen geführt und konnten dadurch tolle Bilder von den Seerosen aufnehmen. Schwäne, zahlreiche andere Wasservögel und Libellen hatten hier ihren natürlichen Lebensraum. Mit etwas Glück kann man in den Lily Ponds sogar Otter beobachten, die ebenfalls zum Artenreichtum des Gebiets gehören. Wir hatten dieses leider nicht. Dafür erspähten wir Baby Schwäne.
Ganz plötzlich verließen wir die Wald- und Seeumgebung und fanden uns vor dem Broad Haven South Beach wieder. Unser Weg führte uns allerdings direkt wieder die Klippen hinauf. Von oben sah es wie so oft noch einmal beeindruckender aus. Rechts tauchte der Church Rock auf, ein markanter Felsen, der vor dem Strand im Meer liegt und mit etwas Fantasie tatsächlich an eine kleine Kirche erinnert. Bei unserem Spaziergang über die Klippen fielen uns die vielen Metallpfeiler am Boden in Randnähe auf, die Kletterern zur Sicherung dienten. Wir wussten nur worum es sich dabei handelte, da wir einen Mann eine bestimmt 30 Meter hohe Klippe emporklettern sahen.
Nach kurzer Zeit passierten wir wieder ein Waldstück und kamen an einem weiteren Highlight – der Barafundle Bay – heraus. Diese Badebucht ist ebenfalls Bestandteil des National Trust und lud mit ihrem goldenen Sandstrand zum Baden ein. Die Bucht ist nur zu Fuß erreichbar und wird von Dünen und Wald eingerahmt. Auf der anderen Seite führten Treppen nach oben und endeten in einem Torbogen aus Stein. Das war der offizielle Zugang zum Strand und hier fand man auch das National-Trust-Zeichen wieder.
Hunde waren hier ebenfalls erlaubt und fast jeder zweite Besucher hatte einen Hund mit dabei. Leider hatten wir keine Badekleidung mitgenommen, sonst wären wir tatsächlich ins Meer gesprungen. Der Tag war bislang sonnig und wir hatten angenehme 20 Grad.
Die letzte Sehenswürdigkeit des Wanderwegs war der Stackpole Quay – ein historischer kleiner Hafen, der zwischen beeindruckenden Klippen in einer geschützten Bucht liegt. Der heutige steinerne Kai wurde 1735 vom Earl of Cawdor wiederaufgebaut. Ursprünglich wurde der Hafen unter anderem für den Transport von Kohle genutzt, später wurden hier Kalk und Kalkstein verschifft und Kohle, Schiefer und Ziegel angeliefert. Außerdem wurden über den kleinen Hafen Waren für das nahegelegene Stackpole Court transportiert. Heute wirkt der Quay dagegen fast schon idyllisch und lädt eher zum Verweilen als zum Güterumschlag ein.
Danach vollendeten wir den Rundweg am Café des National Trust und dem Parkplatz, auf dem wir geparkt hatten. Die abwechslungsreiche Tour hatte mit Pausen rund 3,5 Stunden gedauert → Komoot-Track
Um als Nächstes bequem die kleinste Stadt Großbritanniens, St. Davids, sowie die Whitesands Bay – einen wunderschönen Strand weiter im Norden – besuchen zu können, fuhren wir einen Campingplatz direkt an dem Strand an.
Erwähnenswert waren dabei die Straßen, über die wir dorthin fahren mussten … Englands Single Tracks hatten uns wieder. Ohne Anhänger aber kein Problem für uns. Christoph konnte schließlich Auto fahren und notfalls auch mal bis zur nächsten Ausweichbucht zurücksetzen.
Dort angekommen hatten wir alles, was wir uns wünschten – eine heiße Dusche, das Meer, einen tollen Strand direkt vor der Nase, noch ein klein wenig Abendsonne, einen tollen selbstgemachten Burger zum Abendessen und sogar Meerblick von unserem Stellplatz aus.
Das Einzige, was wir nicht hatten, war Empfang! Weder Internet noch Telefon … aber vielleicht tat uns das auch mal ganz gut. :-)
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Kommentare
Tolle Zusammenfassung, mit viel Inhalt man lernt viel über die Gegend.
Hallo liebe Urlauber, es ist immer schön von Euch zu lesen, so ist man mit Euch zusammen auf Reisen . Ihr werdet bestimmt Eure Geburtstage in Eure Reise mit eingeplant haben. Wir wünschen Euch viel Glück und Gesundheit und ganz viele neue Ideen für das nächste Jahr. Seid ganz lieb gedrückt von Peter und Ute
Hallo Ihr Zwei (Drei)!
wieder ein sehr interessanter Bericht. Man reist in Gedanken mit. Weiterhin schöne Tage und brauchbares Wetter. Gruß Papa