Zurück im Bullileben

Veröffentlicht am 30. August 2026 um 01:50

Nach langer Zeit gehen wir endlich mal wieder on Tour mit dem Bulli - allerdings dieses Mal nur für 3 Wochen. Da England uns auf der Reise positiv überrascht hat, haben wir beschlossen nach Wales zu fahren. Dort waren wir auf unserer Europareise noch nicht, deshalb wollen wir das jetzt nachholen.

Dieses Mal fuhren wir direkt über Luxemburg & Belgien nach Calais. Diese Strecke ist zwar 30 Minuten länger, dafür aber mautfrei. Wir hatten eine Nachtfähre gebucht, da wir damit deutlich günstiger überfahren konnten als am Tag. Auf der Europareise hatten wir den Tunnel zur Überfahrt genutzt, deshalb war uns die Fährüberfahrt noch neu.

Der Pet Check-In wurde hier direkt am Personen Check-In mitgemacht und so mussten wir dazu nicht einmal aussteigen. Benjis Chip durften wir selbst abscannen und nach einer weiteren Passkontrolle, sowie nach passieren des Zolls, der uns direkt durchließ, standen wir auch schon an der Autowarteschlange für die Auffahrt auf das Schiff an. Es ist doch ein seltsames Klientel, das so bei Nacht reist - so unsere Erkenntnis. Immerhin hatten wir auch schon 01:00 Uhr morgens. Trotz Nachtfahrt hatte die Fähre 40 Minuten Verspätung und es herrschte reges Treiben nach Auffahrt auf das riesige Fährschiff der P&O Ferries. In der Pet Lounge, die wir extra gebucht hatten, um Benji die Überfahrt so angenehm wie möglich zu machen, war es zum Glück ruhiger und nur wenige Hundebesitzer ließen sich dort nieder. In abgeschirmten Bereichen konnten sich Hunde und Hundebesitzer darin zurückziehen und die 1,5 stündige Überfahrt mit einem kostenlosen Kaffee genießen. Um 03:30 Uhr Deutscher Zeit kamen wir schließlich in England am Hafen von Dover an. Durch die Zeitverschiebung hatten wir jedoch eine Stunde gewonnen. Zum Glück war wenig los auf den Straßen, sodass wir uns schnell wieder an den Linksverkehr gewöhnen konnten. Nach kurzer zeit erreichten wir endlich den Parkplatz, den wir schon von der Überfahrt vor 2 Jahren kannten und hatten Glück, dass dort noch Platz für uns war. Viele Reisende ließen sich hier vor und nach der Fähr- oder Tunnelüberfahrt für die Nacht nieder. Das wurde bislang so auch toleriert.

Unser Fazit: Wenn man genug Zeit mitbringt und keinen Angsthund hat, dann ist die Fährüberfahrt die bessere Wahl. In unserem Fall wäre der Tunnel wahrscheinlich angenehmer für Benji gewesen, da man dort bis auf den Pet Check-In einfach im Auto sitzen bleiben kann. Die Hektik auf der Fähre hatte ihn schon ziemlich verängstigt, so dass der Arme die ganze Zeit mit eingezogenem Schwanz herumlief und sich erst nach einiger Zeit etwas in der Pet Lounge entspannt hat.

Am Morgen erwachten wir in einem sonnigen England mit tollem Ausblick. Nach einem ersten Bullifrühstück gingen wir aus alter Sentimentalität heraus erstmal die Gassirunde, die wir vor 2 Jahren schon mal entdeckt hatten. Ein hübscher Wanderweg vorbei an Weizenfeldern und über eine Rinderweide, startete direkt an dem Parkplatz. Dabei bemerkten wir, dass die Landschaft sich deutlich verändert hatte - alles war viel trockener und weniger grün. Die Hitzewelle diesen Jahres hatte auch England nicht verschont. Dazu kam vermutlich auch, dass wir fast 3 Monate später im Jahr an diesem Ort waren und der Herbst kurz vorm Hereinbrechen stand. Damals waren wir im frühen Sommer dort gewesen. Dennoch fanden wir es einmal sehr interessant den direkten Vergleich zu sehen (unten links sind die Bilder von damals und rechts unsere aktuellen Bilder). Benji fühlte sich auch direkt wohl und schnüffelte bei diesem Gassigang alles wie wild ab. Das war schon letztes Mal so gewesen - irgendwas roch wohl sehr gut in England.

Weiter ging die Reise Richtung Wales. Aus den fünf Stunden Fahrzeit wurden bald mehr, denn um den Speckgürtel von London herum staute es sich ziemlich. Ein Zwischenstopp für einen Gassigang führte uns zu einem interessanten Ort - dem Grimsbury Castle, das in Oxfordshire in einem kleinen Wäldchen liegt.  Das Schlösschen steht unter Denkmalschutz und ist inzwischen in Privatbesitz. Das ist auch der Grund, wieso keine nähere Aufnahme davon von uns gemacht wurde. Wir kamen darauf, da Vater und Sohn gerade Fußball im Garten spielten als wir vorbeigingen. Besichtigen konnte man das Schlösschen (inzwischen mehr ein Wohnhaus) deshalb nicht. Es stand inmitten einer befestigten Höhensiedlung oder in englisch auch "Hillfort" genannt. Die zur Höhensiedlung dazugehörigen Wallgräben und Palisaden im Umkreis konnte man im Wald unter dem bewachsenen Boden noch mit viel Fantasie erkennen. In England gibt es einige dieser befestigten Höhensiedlungen - Die Siedlungen stammen aus der Eisenzeit ab dem 8. bis 7. Jhd. v. Chr. Sie dienten mit ihren umliegenden Wällen, Gräben und Palisaden zum Schutz, sowie als Wohnraum und Zufluchtsort. Zudem standen diese Bauten für Status und Macht und ermöglichten die Kontrolle über das umliegende Land.

Ein plötzlicher heftiger Regenschauer trieb uns dann allerdings wieder recht schnell zum Auto zurück. 

Nach gefühlt endlosem Stau kamen wir endlich zum Tor von Wales - der Severn Bridge. Die Hängebrücke ist rund 1.600 m lang und 125 Meter hoch. Das spannende an der Brücke ist das Brückendeck. Statt eines schweren Stahlfachwerks verwendeten die Ingenieure einen relativ flachen, geschlossenen Stahlhohlkasten mit aerodynamischem Profil – ähnlich einem umgedrehten Flugzeugflügel. Auch die senkrechten Hängeseile fehlen hier: Die Hänger sind schräg und zickzackförmig angeordnet. Das hilft dabei, Schwingungen der Fahrbahn zu reduzieren. Das Gewässer dort ist zudem den Gezeiten ausgesetzt. Der Tidenhub gehört zu den größten der Welt, weshalb die Brücke in einer Landschaft mit gewaltigen Wasserstandsänderungen steht. Bei starkem Wind wird die Brücke sogar vorübergehend geschlossen.

Unser erstes Ziel in Südwales war der Bannau Brycheiniog Nationalpark. Dort wollten wir am nächsten Tag eine tolle Wasserfall Runde laufen. Auf einem kleinen Schotterplatz neben einem See an der Nähe wollten wir nächtigen. Auf dem Weg dorthin manövrierten wir uns jedoch fast in ein Unglück.

Bei Park4Night wurde extra erwähnt, dass man den See nicht von dem Ort Pontsticill, sondern von dem Ort Pant aus anfahren solle, da dort eine enge Zufahrtsstraße und Brückenüberquerung passiert werden müsse, die für lange und breite Fahrzeuge nicht geeignet sei. Das hatten wir auch gelesen und ins Navi entsprechend eingegeben. Leider änderte unser Freund Google Maps mal wieder eigenständig die Route und schickte uns plötzlich wieder Richtung Pontsticill. Christoph hielt noch kurz an, als ihn Google Maps eine sehr steile Straße nach unten schicken wollte. Leider traf er die Entscheidung zu schnell dem Navi zu vertrauen und fuhr noch bevor Marilyn die Route checken konnte los. Die Steile war nicht das Problem - eher die enge Serpentine die auf einmal auftauchte. Wie immer war Marilyn in diesen Momenten zu angespannt um Fotos davon zu machen. Im Schleichtempo und mit einigem vor- und zurücksetzen kämpfte sich Christoph um die enge Haarnadelkurve. Jetzt gab es kein zurück mehr, denn die Straße war so eng, dass man nicht mehr wenden konnte. Der Motor heulte - das kannten wir schon von unserem Kupplungsschaden in Spanien. Damals hatten wir beim Versuch rückwärts einen Berg hinaufzufahren unsere Kupplung geschrottet... allerdings hing damals noch der Hänger dran, den wir dieses Mal glücklicherweise nicht mit dabei hatten. Mit diesem wären wir garantiert nicht um die Kurve gekommen. Auch ein kleines Auto hätte bei dieser Kurve rangieren müssen. Es gelang uns schlussendlich ohne Kupplungsschaden um die Kurve zu fahren und auch die Brücke, vor der gewarnt worden war, konnten wir gerade so überqueren. 

Auch die Straße danach war so eng, dass wir andauernd die Sträucher streiften. Das Wort "Buschtunnel" erreichte hier eine neue Superlative. Der Bulli hätte hier keine 10 cm breiter sein dürfen. Ein normales Campingmobil hätte gar keine Chance gehabt. Nach dieser kleinen Aufregung erreichten wir das Bergdorf Pontsticill und kurz dahinter dann auch den See. Neben 3 anderen Campern war noch ein Plätzchen für uns frei. Allerdings  leider sehr schräg und direkt neben reichlich Müll und Essensresten, die andere Camper zurückgelassen hatten. 

Dennoch blieben wir dort, denn die Zeit war inzwischen schon fortgeschritten und es begann mal wieder zu regnen... willkommen zurück in England! 

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Kommentare

Kiefer Stefan
Vor 34 Minuten

Hey ich wünsche euch einen wunderschönen Urlaub. Schön das ihr angekommen seid.
Liebe Grüße Stefan